Woher kommt das Mitgefühl?

Foto: AdobeStock # 306340151 von Microgen

„Ein verwundet Herz hat keinen besser‘n Trost als eine mitfühlende Seele.“ So sagte es bereits Gottfried Keller, Schweizer Dichter und Romanautor.

Doch was ist es, was uns mitfühlen lässt – woher kommt das Mitgefühl? Die deutsche Neurowissenschaftlerin und Psychologin Dr. Tania Singer hat zu diesem Thema am Max-Planck-Institut in Leipzig umfangreiche Studien durchgeführt.

Verantwortlich für das Mitgefühl sind demzufolge Netzwerke im Gehirn, die ähnlich funktionieren wie die sogenannten „Spiegelneuronen“. Diese Nervenzellen zeigen das gleiche Aktivitätsmuster, egal ob wir selbst einem Schmerz ausgesetzt sind oder ob wir nur betrachten, wie ein anderer Schmerz erleidet. Ähnlich wie ein Musikinstrument schwingen wir mit und gehen in Resonanz.

Wenn wir das Leid eines anderen mitempfinden, ist ihm jedoch noch nicht geholfen. Mitgefühl beinhaltet zusätzlich die altruistische Motivation, dem anderen helfen zu wollen, und unterscheidet sich vom Mitleid. Das ist eine wichtige Erkenntnis: Mitgefühl leidet nicht mit. Es bezieht sich zwar auf das Leiden anderer, weckt aber positive Gefühle wie Wärme, Liebe und Fürsorge. Im Englischen Sprachgebrauch wird „compassion“, also das Mitgefühl, auch als „loving kindness“ bezeichnet. Es ist eine heilsame Empfindung, die aus der Liebe und Verbundenheit zu anderen Lebewesen entsteht. Mitgefühl trägt, liebt und stützt.

Durch mentale Trainingsmethoden wie Achtsamkeitspraxis und Meditation kann das Mitgefühl trainiert werden. In den Studien der Neurowissenschaftler wurde bewiesen, dass das Training erstaunlich positive Effekte auf das Gehirn der Probanden hatte. Bisher wurde angenommen, dass die kortikale Dicke (das heißt die Dicke der Großhirnrinde) mit steigendem Alter abnimmt und sich nicht regenerieren lässt. Durch das regelmäßige mentale Training hat sich diese jedoch bei den Probanden positiv verändert und ist gewachsen. Mitgefühl zu haben ist folglich nicht nur die Basis jeglichen sozialen Miteinanders, sondern es ist auch sehr gesund!

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